LaTeX unter Mac OS X

LaTeX – das Satzsystem

Weil ich vor allem die Anwendung von LaTeX unter Mac OS X beschreibe, gehört diese Seite streng genommen natürlich in den Bereich Macintosh > Software. Allerdings ist LaTeX nicht einfach ein Programm für eine bestimmte Plattform (oder auch für mehrere Plattformen), sondern fast eine eigene Plattform. LaTeX basiert auf dem Satzsystem TeX (für Tau Epsilon Chi), das 1977 von Donald E. Knuth entwickelt wurde. Dieses System ist genial – und relativ kompliziert. Die meisten Anwender verwenden es deshalb in Kombination mit dem LaTeX-Makropaket von Leslie Lamport, das die meisten Aufgaben (Inhaltsverzeichnisse, Indizes, Fußnoten, Kopf- und Fußzeilen, Seitennummerierung etc.) erheblich vereinfacht oder automatisiert. LaTeX wurde in enger Zusammenarbeit mit professionellen Layoutern entwickelt, so dass mit LaTeX erstellte Dokumente ohne großen Aufwand hochwertige Ergebnisse liefern.

LaTeX befindet sich in einer ähnlichen Situation wie die Mac-Plattform: Es verfügt über eine starke Stellung im wissenschaftlichen Bereich und einen verschwindend geringen Anteil am Gesamtmarkt für Textverarbeitungs- und Layoutsysteme. In diesem Fall ist der Grund nicht der Preis (LaTeX ist kostenlos), sondern die im Vergleich zu WYSIWYG-Editoren (what you see is what you get) wie Microsoft Word, Corel Wordperfect oder Nisus Writer ungewohnte Bedienung: Ähnlich wie bei HTML-Seiten muss die Benutzerin Formatierungsanweisungen explizit erteilen. Um etwa einen Ausdruck kursiv zu setzen, klickt man nicht auf einen Button oder wählt einen Menübefehl, sondern schreibt \textit{Ausdruck}. Das fertige Dokument muss getext werden, d.h. ein Interpreter wandelt alle Anweisungen in die entsprechende Formatierung um: Aus \textit{Ausdruck} wird Ausdruck.

Dieses Verfahren hat den Vorteil, dass sich LaTeX-Dokumente mit jedem Programm erzeugen lassen, das reinen ASCII-Text speichern kann. Für Computer-Einsteiger ist es natürlich eher abschreckend. Wer aber einige Jahre mit Microsoft Word gearbeitet hat und schon mal eine Diplomarbeit in stundenlanger Arbeit neu formatieren musste, wird die Flexibilität und Stabilität von LaTeX schnell zu schätzen lernen. Darüber hinaus gibt es auch für LaTeX WYSIWYG-Editoren wie LyX, die aber einige der Nachteile von Microsoft Word haben: Sie sind vergleichsweise langsam und verstellen der Benutzerin den Blick auf die Formatierung des Dokuments. Die Verwendung eines reinen Texteditors garantiert dagegen die saubere Trennung des Codes vom fertig formatierten Dokument – und die volle Kontrolle über dessen Aussehen.

Im Folgenden finden Sie eine kurze Einführung in die Textverarbeitung mit LaTeX. Einen umfassenderen Einblick bietet A Guide to LaTeX von Helmut Kopka. Die im Dezember 2003 erschienene vierte Auflage berücksichtigt die neuesten Erweiterungen zu LaTeX (speziell die Ausgabe von PDF und die Verarbeitung von XML).