6 Literatur zur Augusteischen Zeit
- Cambridge Ancient History (CAH) Bd. 10 (43 v. Chr. - 69 n. Chr.) (1996) - 197 Seiten befassen sich mit der Augusteischen Zeit, aktuellster Überblick für den Forschungsstand
- Ronald Syme: The Roman Revolution (1939) - immer noch wichtigstes Werk, in Deutschland wegen des 2. Weltkriegs zunächst kaum beachtet, statt der üblichen euphorisierenden Betrachtung als „Friedensfürst“ sehr nüchterner Blick auf den harten Machtpolitiker, das Prinzipat wird nicht als Fortführung der Republik gesehen, sondern eindeutig als Herrschaft eines Einzelnen, Bezüge zu den faschistischen Diktaturen der 30er Jahre und zum Stalinismus
- Dietmar Kienast: Augustus - Princeps und Monarch (1982) - bezogen auf der Person Augustus’, politisch ausgerichtet, kultureller Aspekt nicht enthalten
- Friedrich Vittinghoff: Kaiser Augustus (19913) - schneller Überblick
- Karl Christ: Die römische Kaiserzeit (1989) - sehr aktuell, berücksichtigt auch den kulturellen Aspekt
- Paul Zanker: Augustus und die Macht der Bilder (1988) - Betrachtung von verschiedenen Quellengattungen, behandelt die Vermittlung einer Fortführung der Republik bei gleichzeitiger Ersetzung der Republik in Symbolen durch Augustus
- Fergus Millar: The Emperor in the Roman World (1977) - strukturelle Züge des römischen Kaisertums, Bezug von Herrscher und einzelnen Bevölkerungsgruppen, Kommunikation und Bindungen im Reich
- W.K. Lacey: Augustus and the Principate - The Evolution of the System (1996) - sehr aktuell
Augustus herrschte von 27 v. Chr. bis 14 n. Chr., er war damit der am längsten regierende Kaiser der römischen Geschichte. Während dieser Periode der langsamen Umformung der Republik in den Prinzipat gab es mit Sicherheit viele tastende Versuche und auch Rückschläge. In den erhaltenen antiken Geschichtswerken zum Prinzipat, die alle nach der augusteischen Zeit verfaßt wurden, wird dagegen aus der Retrospektive berichtet, die Ergebnisse der Entwiclung - die unumschränkte Herrschaft des Princeps - als von vorneherein feststehend betrachtet.
Das früheste erhaltene Werk ist das des Velleius Paterculus, eines senatorischen Historiographen aus der Zeit des Tiberius. Er widmet der augusteischen Herrschaft 40 Kapitel. Eine vollständige römische Geschichte in 80 Büchern von den Anfängen bis zum 3. nachchristlichen Jahrhundert ist von Cassius Dio um 229 vollendet worden. Er benutzte auch das Geschichtswerk des Titus Livius, dessen Schriften nicht erhalten sind, allerdings ist seine Einschätzung durch die 250 Jahre des Prinzipats verzerrt. Eine fiktive Rede des Maecenas enthält z.B. viele der tatsächlichen späteren Entwicklungen. Gaius Suetonius Tranquillus lebte als kaiserlicher Beamter ab epistulis latinis unter Trajan und Hadrian und verfaßte eine Reihe von Kaiserbiographien, die sich durch viele Zitate (er hatte Zugang zum kaiserlichen Archiv) aus privaten Briefen des Augustus auszeichnet. Der griechische Autor Appian (2. Jahrhundert n. Chr.) behandelt die römischen Kriege und Bürgerkriege bis 36 v. Chr. und bietet einen Einblick in die Voraussetzungen des Prinzipats.
Weil dieser Zweig der Überlieferung also relativ schwach ist, sind die dokumentarischen Quellen [aufgeführt in J.H. Oliver: Greek Documents (1988) und Helmut Freis: Historische Inschriften (1984)] umso wichtiger. Unter ihnen stechen die Res Gestae Divi Augusti besonders hervor. Sie enthalten eine von Augustus selbst verfaßte Präsentation seines politischen Lebens und der Ideologie des Prinzipats. Drei steinerne Abschriften des Textes sind aus der Proinz Galatien erhalten. Als Selbstaussage sind sie das wichtigste Dokument zur augusteischen Zeit.