1.3 Desintegration der römischen Gesellschaft

Unterhalb der senatorischen Führungsschicht hatte es in Rom nie ein politisches Potential gegeben. Durch die römische Expansion in den Osten und die Berührung mit östlichen Lebensformen wurde die Kleintelstruktur erstmals in Frage gestellt. Neue Religionen betonten das Individuum stärker gegenüber der Sippe. Mit der Auflösung der traditionellen Bindungen wurden die Bürger verfügbar für den politischen Einsatz durch Demagogen wie z.B. die Gracchen.

Die Landflucht vergrößerte die ökonomisch nicht abgesicherte plebs urbana und machte sie zu einem wichtigen politischen Instrument, das man mit Versprechungen lenken konnte und das auch zum Einsatz von Gewalt bereit war. Vor der Einrichtung einer Polizeitruppe scheute der Senat zurück, weil sie ein mögliches Machtmittel hätte sein können. 52 v. Chr. machte man Pompeius wegen der gewalttätigen Ausschreitungen in Rom zum consul sine collegia, ein weiterer Schritt der Auflösung republikanischer Formen.