1.2 Desintegration der römischen Führungsschicht
Nach Polybios hatte der römische Staat eine gemischte Verfassung mit demokratischen (Volksversammlung), monarchischen (Magistrate) und aristokratischen Elementen (Senat). Tatsächlich wurde Rom aber von einem aristokratischen Gremium, dem Senat, geleitet und war insofern eine Adelsrepublik. Die notwendige Gleichheit des Adels war nicht vollständig: die Nobilitätsfamilien der ehemaligen Konsuln waren einflußreicher als andere. Trotzdem herrschte ein relatives Gleichgewicht, in dem jedes persönliche Machtstreben von den übrigen Mitgliedern der Elite abgefangen wurde.
Erst als das Heer politisch funktionalisiert wurde, begann der Untergang der Republik. Die Soldaten konnten durch ihre Ansiedlung in Italien ihrem Feldherrn bei der Volksversammlung politisches Gewicht verleihen und als militärische Macht den Senat bedrohen. Sulla machte 88 das Heer zum ersten Mal zum innenpolitischen Instrument, indem er es auf Rom marschieren ließ und verhinderte, daß ihm das Kommando im Osten entzogen wurde. Pompeius setzte 70 seine Wahl zum Konsul ohne vorherigen cursus honorum durch, indem er die Sympathien des Heeres, die er als Unterfeldherr Sullas gewonnen hatte, ausnutzte. 62 forderte er bei seiner Rückkehr aus dem Osten (er hatte dort seit 62 ein Kommando) die Anerkennung seiner Maßnahmen und die Versorgung seines Heeres. Anders als Sulla entließ er allerdings sein Heer und hoffte, der Senat werde seine Stellung freiwillig akzeptieren. Für diesen Schritt war es noch zu früh, das politische Gewicht der Veteranen in der Volksversammlung reichte nicht aus, Pompeius’ Forderungen durchzusetzen.