2 Der Zeitraum ab 500 n.Chr.

Die wesentlichen Faktoren dieses Zeitraums waren:

  1. Der Aufstieg des 324 gegründeten Konstantinopels als neues Reichszentrum – Das riesige römische Reich hatte sich in den Wirren des 3. Jahrhunderts als nicht zentral lenkbar erwiesen, denn die Randzonen konnten von dem geographischen Mittelpunkt Rom nur in Friedenszeiten beherrscht werden. Trier, Mailand und York wurden zeitweise zu Kaiserhöfen ausgebaut, so daß Rom zwar der einzige ideelle, aber nicht politische Mittelpunkt blieb. Kontantinopel wurde auf diese Weise zum zweiten Rom, was allerdings erst im 4./5. Jahrhundert anerkannt wurde. Es war als östlicher Schwerpunkt des Reiches gedacht. Aus dieser Konstellation erwuchs das byzantinische Reich, dessen Eigenbezeichnung „römisches Reich“ sich auf den Anspruch der Widerherstellung des Geamtreiches bezog.
  2. Die Konsolidierung des Christentums im Mittelmeerraum – Im Mittelalter enstanden Glaubensgemeinschaften mit festen Grundsätzen, die in der Antike unbekannt waren: das Christentum und der Islam. Sie waren für die Bevölkerung in einer politisch unübersichtlichen Zeit verbindliche religiöse Faktoren. Im 4. Jahrhundert wurden durch Konstantin den Großen und Theodosius I. Maßnahmen zur Stützung und Erhaltung des Christentums unternommen. Die Wiege des Christentums war der römische Osten. Bereits um 500 n. Chr. war der Mittelmeerraum zu 80 % christlich (unter Einbeziehung aller Strömungen und Sekten).
  3. Das Vordringen der Germanen in das zerfallende römische Reich – Seit dem späten 3. Jahrhundert drangen verschiedene Germanenstämme in das römische Reich. Dadurch wurde die lateinische Welt entscheidend umgeformt, während die griechische Welt viel weniger betroffen war. Die Völkerwanderung der Spätantike und des frühen Mittelalters veränderte Mittel- und Nordeuropa entscheidend und beeinflußte auch den Mittelmeerraum. Den ersten Ansatz gab es bereits im 2./1. Jahrhundert v. Chr., als die Cimbern und Teutonen über die Alpen zogen und von Rom besiegt wurden. Die Germanen hatten nicht das Ziel, das Festland zu verlassen, einerseits hatten sie nicht die technischen Möglichkeiten, andererseits widersprach es ihrer Mentalität. Eine Ausnahme waren die Vandalen (s.u.). Die erste Gruppe im Bereich der Römer waren die Westgoten. 378 trafen sie im Hinterland von Konstantinopel auf römische Truppen und töteten Kaiser Valens. Es gelang ihnen aber nicht, Konstantinopel einzunehmen, worauf sie weiter bis auf den Balkan bis zum Mittelmeer zogen. Die Römer lösten das Gotenproblem vorübergehend durch eine lose Untertänigkeit und rekrutierten teilweise Männer für ihr Militär. 401 zogen die Goten unter Alarich über die Alpen nach Italien und plünderten 410 Rom. Dessen Schutzfunktion wurde dadurch erheblich in Frage gestellt, Konstantinopel erhielt eine weitere Bedeutungssteigerung. Durch die Wanderung der Vandalen, Quaden und Allanen nach Spanien wurde die Wirtschaft dieser blühenden Provinz erheblich gestört. 423 setzten die Vandalen über Gibraltar nach Nordafrika über und erreichten 439 Karthago. Dort ließen sie sich nieder und blieben bis 534, was eine Verschlechterung der Versorgung Roms mit afrikanischem Getreide zur Folge hatte. Die Vandalen machten sich mit Hilfe der Römer seekundig und plünderten 455 Rom auf dem Seeweg.

Unabhängig von der Plünderung Roms wurde auch dessen Kaiser Valentian ermordet. Für das weströmische Reich (administrative Reichsteilung seit 395) bedeutete das den wirtschaftlichen und politischen Todesstoß. Man fühlte sich verlassen, weil auch die römische Flotte den Angriffen nichts mehr entgegensetzen konnte. Das östliche Zentrum übernahm die Aufgaben des Westens. 476 entthronte der Gote Odoaker den letzten Kaiser Romulus Augustulus und übernahm die Herrschaft (dieser Zeitpunkt wird erst seit dem 6. Jahrhundert als Epochendatum gesehen). 488 übergab der östliche Kaiser Xenon offiziell die Verantwortung für das Westreich an die Goten: der Anführer der Ostgoten, Theoderich, wurde zum Oberbefehlshaber der römischen Truppen in Italien besiegte Odoaker und folgte ihm als König Italiens, ohne Anspruch auf den Kaisertitel zu erheben.

Seit 493 war Anastasios, ein ehemaliger Finanzbeamter, Kaiser in Konstantinopel. Er machte die Kupfermünze zur Hauptwährung des Reiches und führte weitere Reformen des Finanzwesens (z.B. Geld statt Naturalien als Steuer) durch, wodurch die Bevölkerung wieder Vertrauen zum römischen Staat faßte. 507 schloß er Frieden mit den Persern, was ihm Rückenfreiheit für andere Kriege gab. Er erkannte allerdings den Status quo im Westen an.

Die Wiederherstellung des römischen Reiches im Mittelmeerraum erfolgte unter Justinian I. (527 - 565). Der Ausgangspunkt war der Osten von Griechenland bis Ägypten. Nach der Niederschlagung des Nika-Aufstandes 532 hatte der Kaiser die Opposition beseitigt und Freiheit für seine Unternehmungen. Im Juni 533 begann eine Flottenexpedition nach Nordafrika, die 534 zur Zerstörung der vandalischen Herrschaft in Nordafrika, den Balearen, Sardinien und Korsika führte. Diese Gebiete dienten als Operationsbasis für die Feldzüge in Italien ab 535. Die Rückeroberung dauerte etwa 20 Jahre und erst 555 erfolgte die endgültige Niederlage der Goten. Mit der Sicherung der Durchfahrt durch die Straße von Gibraltar 545, wirtschaftlich wegen der Metalle von den britischen Inseln wichtig, war das Mittelmeer zum byzantinischen Binnenmeer geworden. Es fehlten allerdings der germanische und gallische Raum sowie weite Teile der iberischen Halbinsel.