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NetBook Pro
Vor der Vorstellung des iPad dominierten in den IT-Blogs Spekulationen über futuristische Technologien (facial recognition through a built-in camera
) und die Rettung der Presse durch digitale Zeitungsabonnements. Die traditionellen Medien konzentrierten sich auf die Vorfreude der sektenhaft anmutende[n] Fangemeinde
und die nicht eben neue Information, Apple sei im Vorfeld mal wieder sehr verschwiegen. Nach der Vorstellung herrscht bei den genannten Sektenjüngern entweder Katzenjammer (kein OLED! kein Multitasking!) oder Begeisterung (The moment you experience it in your hands you know this is class. This is a different order of experience.
). Die Presse hat immer noch gewisse Probleme, und der Aktienkurs von Apple ist einigermaßen stabil.
Gewissen Neuigkeitswert hat höchstens der erstaunlich niedrige Preis des iPad, mit dem Apple offensichtlich auf möglichst hohe Umsätze bei vergleichsweise niedriger Marge zielt. Bis jetzt hatte Apple immer an einer Hochpreisstrategie festgehalten, die dem Unternehmen im Vergleich zu seiner Größe beeindruckende Gewinne bescherte. Verzichtet man auf obszöne Margen, stellt sich ganz automatisch die Frage,
wie groß die Zielgruppe der Apple-Neuheit ist: Gibt es in Zeiten, in denen potentielle Apple-Kunden oft sowohl ein Smartphone als auch einen Laptop besitzen noch einen Raum für das iPad?
Natürlich bietet das iPad the best way to experience the web, email and photos
. Trotzdem rufen in der Öffentlichkeit nicht nur sozial ängstliche Personen E-Mails lieber mit einem iPhone ab. Wer gerade am Mac – oder, horribile dictu, an einem Windows-PC – arbeitet, öffnet Webseiten nicht nebenher auf einem zweiten Gerät, selbst wenn es einen remarkably crisp and vivid
Bildschirm hat. Das iPad mag far better at doing some key tasks
sein. Aber es kann nicht so viel besser sein, dass man im Alltag ohne Not ständig zwischen mehreren Geräten wechselt. Als zusätzliches Gadget neben iPhone und MacBook Pro wird es also kaum funktionieren. Die Gruppe der Menschen, die ausschließlich ein iPad besitzen wollen, dürfte 2010 auch noch überschaubar sein.
Wenn es für Apple allerdings richtig gut läuft, folgt das iPad nicht dem Vorbild des Newton oder des MacBook Air, sondern dem der Notebooks, indem es seinen Vorgänger nicht ergänzt, sondern ersetzt. 1994 habe ich zum ersten Mal versucht, ein PowerBook 520 als zentrales System (mit externem CD-Laufwerk!) zu verwenden. Nach dieser traumatischen Erfahrung dauerte es zwar neun Jahre, bis mein Power Mac G4 einem PowerBook G4 weichen musste. Aber heute käme ich nicht mehr auf die Idee, einen Desktop-Mac zu kaufen.
Großrechner, Desktop-Systeme und Notebooks haben gegenüber einer jeweils mobileren Variante immer nur so lange eine Chance, wie ihre zusätzlichen Ressourcen benötigt werden oder der Preis der mobileren Variante prohibitiv wirkt. Durch die Cloud haben mobile Geräte darüber hinaus den Vorteil, dass die Speicherung von Daten nicht unbedingt auf dem verwendeten Gerät erfolgen muss (vorausgesetzt, man ist ein wenig risikofreudig).
Die Eingangsfrage lässt sich also auch anders formulieren: Was muss das iPad können, um mein MacBook Pro zu ersetzen? An der mangelnden Softw... pardon: Apps-Auswahl wird das iPad bestimmt nicht scheitern. Stattdessen kommt es darauf an, wie weit Apple sein geschlossenes iPod/iPhone/iTunes-System öffnet, um einen freien Datenaustausch zwischen Applikationen und Geräten zu ermöglichen. Erste Meldungen berichten von einer gewissen Lockerung des eisernen Griffs, die allerdings nicht identisch ist mit dem unbeschränkten Zugriff auf alle gespeicherten Daten:
If there’s anything about the iPad design that concerns me, it’s the lack of an open file system, which the iPad inherited from the iPhone. [...] On the iPhone, [...] I can create a new document in a word processor, but the Mail app can’t see into the word processor’s data area so I can’t do anything with it. [...] If, once I’ve had the iPad for a month, I find myself fleeing the office with the car keys, the iPad ... and my netbook just in case, then Apple will have failed.
Natürlich werden Andy Ihnatko und ich trotzdem ein iPad kaufen, aber von gadgetsüchtigen Geeks kann ja niemand leben.
2010-01-31
iTunes X
Eine grundlegende Überarbeitung von iTunes wird regelmäßig gefordert, teilweise aus grundlegenden, teilweise aus praktischen Erwägungen. Tatsächlich knirscht das alte SoundJam MP-Gerüst mittlerweile ganz erheblich, und ich bin schon gespannt auf den nächsten Anbau.
Im alltäglichen Gebrauch stört mich aber vor allem die seltsame Behandlung von ID3-Tags. Filtert man etwa nach dem Titel einer Compilation, erscheint in der Spalte Artist nur noch der Eintrag Compilations
. Verwendet man die Spalte dagegen, um alle Aufnahmen eines Künstlers anzuzeigen, erscheinen dort auch Titel verschiedener Compilations.
Beim Medientyp Audiobook läuft die Anzeige dann völlig aus dem Ruder: In der Spalte Author erscheint der Inhalts des Tags Artist (und nicht des Tags Composer). Wenn ich also ein Werk von Wilhelm Hauff in meiner Bibliothek habe, das von Hans Clarin eingesprochen wurde, erscheint als Autor Hans Clarin.
Sollten diese UI-Fehler – sowie der vermaledeite Passwort-Bug – demnächst behoben werden, warte ich gern noch zwei, drei Jahre auf ein Cocoa-basiertes, cloud-orientiertes iTunes X.
Update: iTunes 9.0.3 behebt den Passwort-Bug.
2010-01-30
Fallobst
Meinen hymnischen Elogen auf die Vorzüge der Dropbox zum Trotz: Das System zeigt seine Tücken auch beim Wechsel auf einen neuen Rechner. Arbeitet man einige Tage mit dem neuen Rechner, ohne ihn mit Dropbox zu verknüpfen, ändern sich naturgemäß auch die zu synchronisierenden Dateien. Wird der Link dann hergestellt, erkennt Dropbox einen möglichen Konflikt und fragt, ob man den lokalen Ordner und die Dropbox zusammenführen (merge) möchte.
Ich hatte angenommen, dass die Dropbox automatisch die neueren Versionen der betroffenen Dateien verwenden würde, und damit die Umsicht der Dropbox-Entwickler unterschätzt: Die älteren Dateien aus der Dropbox werden heruntergeladen, und die neueren lokalen Dateien heißen plötzlich "Dateiname (Mac's conflicted copy XXXX-XX-XX)". Wenn mehrere Rechner verlinkt sind, ist das auch sehr sinnvoll, um einen Datenverlust bei paralleler Bearbeitung zu vermeiden. In meinem Fall musste ich allerdings in diverse Sparsebundles navigieren, um die Verhältnisse wieder gerade zu rücken.
Deshalb: Wechselt man seinen Rechner, sollte man ihn nach dem initialen Setup sofort mit Dropbox verknüpfen.
2010-01-30
Rufschädigung
Am Anfang waren Himmel und Erde. Den ganzen Rest haben wir gemacht. – Das Handwerk
Meine letzte Lektüre des ersten Buch Mose liegt einige Zeit zurück, aber ich meine mich zu erinnern, dass der Zentralverband des deutschen Handwerks – jedenfalls in der Lutherbibel von 1912 – nicht erwähnt wurde. Sollte die Bibel in diesem Punkt korrigiert werden müssen, würde das Ansehen Gottes gerade in religiösen Kreisen stark beeinträchtigt.
Kardinal Meisner, ein ausgewiesener Experte für Gottesferne und Blasphemie in Kunst, Wissenschaft und Gesellschaft, wollte sich zur Kampagne des deutschen Handwerks nicht äußern. Ein Sprecher des Bistums erklärte, die Renovierung der sanitären Anlagen in der Bischofsresidenz verlange die ungeteilte Aufmerksamkeit seiner Eminenz.
2010-01-29
Mauerspecht
Ein hoher Funktionsträger eines nordeuropäischen Landes nutzt den Konflikt zwischen Google und der chinesischen Regierung, um seine historische Bedeutung in Erinnerung zu rufen:
A decade and a half ago, when I was prime minister of Sweden, then-President Bill Clinton and I had the first e-mail exchange between heads of state.
Herr Bildt ist nicht nur einer der wenigen Menschen außerhalb der USA, die die Reagan'sche Beschwörungsformel mit heiligem Ernst zitieren –
They are trying to build firewalls against freedom. At the end of the day, I am convinced they are fighting a losing battle – that cyber walls are as certain to fall as the walls of concrete once did.
– er hat offenbar auch noch keine Enkel, die seine Geschichten aus der guten alten Zeit mit glänzenden Augen anhören.
2010-01-28
Weißer Messias
Josef Joffe mag keine eskapistische Unterhaltung:
Die Botschaft ist absolut korrekt: wider Rassismus, Militarismus, Kapitalismus, für Natur- und Kulturenschutz. Und verlogen. Schon Thomas Hobbes hat das Leben im Naturzustand als
gemein, hässlich und kurzgegeißelt. Die Indianer waren keineswegs friedlich und nobel; die Grausamkeit der Apachen im Krieg gegen andere Stämme war legendär.
Inwiefern wird ein Plädoyer gegen fiese Ismen durch die beschönigende und sentimentale Darstellung einer naturnahen Lebensweise verlogen? Ist Rassismus besser, weil Indianer grausame Krieger waren? Aber das eigentliche Problem liegt – natürlich – tiefer:
Aber das Verlogene geht tiefer, wie David Brooks in der New York Times anmerkt. Genauso wie Tarzan und Old Shatterhand ist der Blauen-Retter Jake Sully ein weißer Mann, ein
weißer Messiasaus einer technorationalistischen Zivilisation, der die Eingeborenen zum Sieg führt.
Das wiederum ist eine völlig richtige Analyse, auf die Herr Joffe allerdings nicht selbst gekommen ist. Der zitierte David Brooks zieht auch den richtigen Schluss:
[The White Messiah fable] also creates a sort of two-edged cultural imperialism. Natives can either have their history shaped by cruel imperialists or benevolent ones, but either way, they are going to be supporting actors in our journey to self-admiration.
Avatar hat keine korrekte, aber auf einer tieferen Ebene verlogene Botschaft, sondern eine offen imperialistische und selbstgefällige. Manchmal ist die Welt ganz einfach, liebes ZEIT-Feuilleton.
2010-01-27
Kommunikationsprobleme
In einem ABC-Interview hat Bill Gates die chinesische Internet-Zensur als very limited
bezeichnet. Das war natürlich nur ein Versprecher. Der sozial äußerst engagierte und recht wohlhabende Ex-Unternehmer wollte nicht das Partizip II, sondern das Partizip I (very limiting
) verwenden und sich ganz klar von der Haltung eines von ihm mitgegründeten Software-Unternehmens absetzen.
2010-01-27
Sicherheitsautomatik
Google denkt beim Thema Sicherheitsautomatik sofort an Hebelschneidemaschinen, obwohl eine funktionierende Sicherheitsautomatik eigentlich in jedem Lebensbereich ihre Berechtigung hat. Besonders natürlich bei meinem Steckenpferd, der Datensicherung.
Im Rahmen meines hastig hingekritzelten Backup-Eintrags hatte ich zwar Pete Freitags exzellente Anleitung zur Einrichtung eines inkrementellen rsync-Backups unter Mac OS X verlinkt, war aber nicht auf die von ihm erwähnte Automatisierung mitels Public Key Authentication eingegangen. Beides – sowohl den Eindruck unziemlicher Hast als auch das Versäumnis – möchte ich natürlich korrigieren.
Zunächst muss der Server vorbereitet werden: Benötigt werden ein dedizierter Backup-Nutzer (der denselben Namen tragen sollte wie der Nutzer, in dessen Namen das Backup auf dem lokalen Rechner gestartet wird), ein Backup-Ordner in dessen Nutzerverzeichnis sowie das Verzeichnis .ssh:
groupadd backup useradd -gbackup -s /bin/rbash jan su - jan mkdir .ssh chown jan:backup .ssh chmod 700 .ssh mkdir backup chown jan:backup backup
Nun wenden wir uns dem lokalen Rechner zu, erzeugen dort ein Schlüsselpaar (ohne Passwort) und kopieren den öffentlichen Teil des Schlüssels auf den Server:
ssh-keygen -t rsa scp ~/.ssh/id_rsa.pub remote.server.com:.ssh/authorized_keys2 ssh remote.server.com
Achtung: Wenn der Backup-Nutzer nicht neu angelegt wurde und die Datei authorized_keys2 bereits existiert, sollte der öffentliche Schlüssel natürlich nicht die gesamte Datei überschreiben, sondern zum bestehenden Inhalt hinzugefügt werden.
Der letzte Befehl sollte ohne Eingabe eines Passworts zu einer SSH-Verbindung zwischen lokalem Rechner und remote.server.com führen. Dieses Setup ist natürlich ein wenig riskant, wie Mr. Freitag einräumt:
Now keep in mind that all someone needs to login to the remote server, is the file on your local machine ~/.ssh/id_rsa, so make sure it is secure.
Andere Anleitungen raten deshalb strikt von einem passwortlosem Schlüsselpaar ab und empfehlen stattdessen den Einsatz von ssh-agent, um die wiederholte Eingabe eines Passworts im Rahmen einer Session zu vermeiden. Die obige Beschränkung des Backup-Nutzers auf rbash bietet im Vergleich dazu keine echte Sicherheit, aber immerhin bleibt der Schreibzugriff eines Angreifers zunächst auf das Nutzerverzeichnis beschränkt, das wiederum ausschließlich die verschlüsselten Daten des Backups enthält.
Jetzt fehlt nur noch rsync selbst. Anders als in vielen Anleitungen empfohlen, verwende ich nicht den Archiv-Parameter (-a), weil die darin enthaltenen Parameter (-rlptgoD) in Bezug auf mein Backup-Konzept irrelevant oder inkompatibel sind. Das gilt vor allem für die Behandlung von Symbolic Links: Statt sie als Links zu kopieren (-l), sollen die dahinterstehenden Referenten übertragen werden (-L). Da ich mein Backup-Set schon seit längerem mit Symbolic Links zusammenstelle, brauche ich das große L. Darüber hinaus sollte das Backup informativ (-i bzw. -v) und rekursiv (-r) ablaufen, geänderte Dateien anhand ihrer geänderten checksum erkennen (-c) sowie die Zeitstempel der Dateien bewahren (-t). Von der Übertragung der HFS+-Metadaten (-X bzw. -E in älteren rsync-Versionen) auf fremde Dateisysteme habe ich mich dagegen nach längerer Recherche verabschiedet. Der vollständige rsync-Aufruf wird jedenfalls in backupper.sh verpackt –
!#/bin/bash rsync -e "ssh" -ivcrLt --delete-after --progress /Users/jan/Backup/ remote.server.com:~/backup > ~/Logs/backupper.log
– das wiederum als cronjob eingetragen wird:
55 17 * * * ~/Library/Scripts/backupper.sh
Ein ähnliches Verfahren gibt es übrigens auch für SMB-Freigaben, deren Zugangsdaten unter Mac OS X im Ordner ~/Library/Preferences/nsmb.conf hinterlegt werden können:
[default] minauth=none # this is the server name and ip [myserver] address=192.168.12.34 [myserver:user] password=mypass
Das entsprechende Skript für den Eintrag als cronjob muss neben dem rsync-Aufruf auch die Freigabe einbinden (und nach dem Backup wieder auswerfen):
#!bin/bash mkdir /Volumes/mountp mount_smbfs //user@myserver/myshare /Volumes/mountp rsync rsync -ivcrLt --delete-after --progress /Users/user/Backup/ /Volumes/mountp/backup >> ~/Logs/backup.log umount /Volumes/mountp
Natürlich gilt für das Klartext-Passwort in nsmb.conf dasselbe wie für den passwortlosen privaten Schlüssel. Aber leben wir nicht alle gern wild und gefährlich?
2010-01-26
Würde
Auf ihre alten Tage zeigen die Scorpions feine Selbstironie bei ihrer Ankündigung, künftig Ruhe zu geben:
Wir wollen nicht, dass es unwürdig wird.
Um die zu erwartende Panik
ihrer Fans
abzudämpfen, werden die niedersächsischen Frührentner allerdings noch eine zwei- bis dreijährige Welttournee absolvieren.
2010-01-24
Greasy
Industrielle Komplexe sind skrupellos, aber nicht blöd. Das aktuelle Beispiel für die Gültigkeit dieses Kalenderspruchs liefert die Lebensmittelindustrie (bzw. das Unternehmen Dr. Oetker). Zwar geht die Liberalität nicht so weit, dass der Herr Doktor plötzlich eine transparente Ampelkennzeichnung für seine Produkte einführen würde, aber immerhin werden die Verbraucherinnen etwas weniger arglistig getäuscht.
Nachdem die GDA-Angaben für die Ristorante-Pizzen sich lange Zeit auf eine halbe Pizza bezogen, erscheinen zum 25. Jubiläum endlich halbwegs realistische Werte. Am Beispiel einer Pizza Vegetale:
| Kategorie | GDA-Anteil |
|---|---|
| Kalorien | 38% |
| Zucker | 12% |
| Fett | 50% |
| gesättigte Fettsäuren | 61% |
| Salz | 75% |
Wohl bekomm's.
2010-01-24
Total Restore
Eine vollständiges Backup lindert zwar den ersten Schreck nach dem Verlust eines Macs, aber wenn man kein Festplatten-Klon erstellt hat, ist die Backup-Festplatte zunächst nur ein schwacher Trost.
Hat man darüber hinaus ein Sparsebundle für Time Machine-Backups auf einer externen Festplatte verwendet, ist die Restaurierung der Daten nicht ganz offensichtlich – wie soll ein neuer Mac ein Sparsebundle mounten und sich dann quasi selbst mit dessen Inhalt überschreiben? Glücklicherweise ist das Verfahren dann doch relativ einfach:
- Mac von der Installations-DVD booten
- Installationssprache wählen
-
Utilities → Terminal
wählen -
hdiutil attach /Volumes/BackupDisk/MyOldMac_1122334455.sparsebundleeingeben - Terminal beenden
-
Utilities → Restore System from Backup...
wählen - Backup-Volume wählen (natürlich das gemountete Sparsebundle und nicht die externe Festplatte)
- Möglichst entspannt zurücklehnen. Wird schon schiefgehen.
Auf dieselbe Weise lässt sich auch ein Time Machine-Backup von einem network shares zurückspielen (ergänzt um den entsprechenden mount-Befehl).
2010-01-22
Cache and Defer
Das stetige Rumgefrickel an Eigenheimen fordert irgendwann seinen Tribut, wie jeder Statiker bestätigen kann. Im Fall meiner Website zeigt sich das an einer Häufung von QoS-Warnungen bezüglich des Kriteriums othersockbuf. Auch in dieser Notlage kann ich mich natürlich auf Django verlassen, dessen cache framework sowohl besonders aufwendige views als auch komplette Sites mit minimalem Aufwand zwischenspeichern kann. Um den Speicherbedarf weiter zu reduzieren, verwende ich die mit Django 1.1 eingeführte defer-Funktion für Datenbankabfragen, die bestimmte Felder einer Tabelle ausschließt und damit Arbeitsspeicher spart.
So gerüstet kann ich meinem schmalen virtuellen Server noch ein paar weitere Giebelchen zumuten.
2010-01-22
Bürokratieaufbau
Statt über die spendenaffine FDP herzufallen, sollten die übrigen Parteien besser ehrfürchtig schweigen. Immerhin haben die Freien Demokraten nicht nur eine Kernklientel beschenkt – das kann schließlich jede Regierungspartei – sondern die Hotelbranche, den Deutscher Steuerberaterverband, Transparency International und sogar den regierungsinternen Konkurrenten CSU mit einem einzigen Gesetz glücklich gemacht.
Künftig müssen Geschäftsreisende nämliche korrekte – und damit hochkomplizierte, steuerberatungsbedürftige – Reisekostenabrechnungen einreichen, da das separat ausgewiesene Frühstück (mit 19% Mehrwertsteuer) nicht vollständig erstattungsfähig ist. Die großen Wirtschaftsverbände fordern nun in einem Brief, das Wirtschaftsministerium müsse die politisch nicht gewollten Folgen
der Steuersenkung abmildern. Wie wäre es mit einer Angleichung des Mehrwertsteuersatzes für Übernachtungen und Frühstück auf 14%? Mit Hilfe einer kleinen Denkhilfe wird Herr Solms sicher rasch eine entsprechende Ausnahme für geschäftsreisende Angestellte von Firmen mit mehr als 50 Mitarbeiterinnen konzipieren können. Für Mitarbeiter kleinerer Unternehmen gälte werktags ein einheitlicher Satz von 13%, bei Reisen am Wochenende dagegen ein erhöhter Satz von 15%. Damit wären auch die Steuerberater glücklich, und Transparency International könnte zum Ausgleich vielleicht eine kleine Spende erhalten.
Falls sich meine Vorschläge im Bundesgesetzblatt niederschlagen, wehre ich mich natürlich auch nicht gegen eine Beteiligung von, sagen wir – 19%?
2010-01-20
Mauerlinks
Sollte die New York Times sich tatsächlich nach dem Vorbild der großen Finanzblätter einmauern, werden meine wohlgesetzten Links demnächst unspektakulär zerschellen. Deshalb schon mal prophylaktisch: Mr. Obama, tear down this wall!
Update: Nach einer telefonischen Rückfrage des Büros von Arthur Sulzberger Jr. muss ich leider zu Protokoll geben, dass ich auch kein besseres Finanzierungsmodell für Qualitätszeitungen im 21. Jahrhundert kenne. Die Bezeichnung arrogant cheapskate
verbitte ich mir aber.
2010-01-20
MS Aurora
Was für eine Geschichte. Google, Yahoo und weitere US-Unternehmen werden Opfer eines highly-sophisticated
Hacker-Angriffs aus China (Operation Aurora),der eine Schwachstelle des Internet Explorers ausnutzt. Der Angriff richtet sich gegen Accounts chinesischer Dissidenten, eine Beteiligung chinesischer Google-Mitarbeiter wird nicht ausgeschlossen. Google erhöht daraufhin nicht nur die Sicherheitsvorkehrungen, sondern verkündet auch, sich nicht mehr an die Zensurvorgaben der chinesischen Regierung zu halten – mit der absehbaren Folge, sich vom chinesischen Markt zurückziehen zu müssen.
US-amerikanische Politiker, Unternehmen, Verbände und Medien unterstützen diesen Schritt und ziehen sogar eine direkte Verbindungslinie zwischen Nixons China-Besuch und der Entscheidung des Unternehmens. Europäische Regierungen warnen offiziell vor der Verwendung des Internet Explorer. Das deutsche Feuilleton macht sich Sorgen um die Staatsähnlichkeit des Großkonzerns.
Nur einer bleibt ruhig: der ansonsten recht temperamentvolle Steve Ballmer. Er versteht weder das Problem (There are attacks every day. I don't think there was anything unusual, so I don't understand.
) noch Googles Reaktion (I don't understand how that helps anything.
) und bekräftigt, in China bleiben zu wollen (We've been quite clear that we are going to operate in China, [and] we're going to abide by the law.)
. Chinas Hauptproblem seien nach wie vor Windows-Raubkopien (Intellectual-property protection in China is very, very bad. Abysmal. [...] It's got to change.
).
Conspiracy theory, anyone? Nur zu gern: Wie wahrscheinlich ist es eigentlich, dass Google seine Mitarbeiter den Internet Explorer 6 einsetzen lässt? Eben. Tatsächlich hat Microsoft den Rezeptionisten in der chinesischen Google-Niederlassung großzügig alte Windows-Lizenzen mit vorinstalliertem IE 6 überlassen und anschließend der Volksbefreiungsarmee einen kleinen Tipp gegeben. Wer bereit ist, gegen Google mit Rupert Murdoch zu paktieren, wird ja wohl keine Berührungsängste gegenüber harmlosen Kommunisten haben.
Vielleicht geht das Kalkül sogar auf: Wenn China ohne den Googlebot ein nationales Internet
realisiert und die Chinesen neben chinesischen Suchmaschinen und chinesischen Shopping-Portalen auch ein chinesisches Betriebssystem nutzen, erledigt sich das lästige Problem der Windows-Raubkopien, ohne dass sich lange Schlangen vor den schönen Microsoft-Läden bilden.
2010-01-19
Doppelkuchen
Das bekannte englische Sprichwort You can't have your cake and eat it
verweist darauf, dass man sich bei zwei einander entgegengesetzten Zielen für eines entscheiden muss. Das gilt zwar immer noch, aber mitunter finden die Ziele einen modus vivendi, während man noch über die richtige Entscheidung nachsinnt.
Offenbar hat das Fraunhofer-Institut unter dem Namen HD-AAC eine solche Einigung zwischen handlichen und verlustfreien Musikdateien vermitteln können. Der vor zwei Jahren im Rahmen der CES vorgestellte Codec basiert auf dem MPEG-4 SLS-Standard, der die Kombination eines AAC-Kerns mit einer verlustfreien Erweiterung vorsieht.
Wenn Apple sich dazu entschließt, HD-AAC zusätzlich zum eigenen ALAC-Codec zu unterstützen, könnte ich meine Musiksammlung erneut konvertieren – was ich ja in regelmäßigen Abständen sehr gern mache – und anschließend meinen iPod mit lauter AAC-Kernen bestücken.
2010-01-19
Nothing to Hide
Bruce Schneier hat das Interview mit Eric Schmidt offenbar ebenfalls gelesen und zeigt sich wie immer kompromisslos (This is the loss of freedom we face when our privacy is taken from us.
). Sehr lesenswert ist ein von Schneier verlinkter juristischer Essay, der sich mit dem beliebten Nothing to Hide-Argument auseinandersetzt:
In other words, the nothing to hide argument can be made by comparing the relative value between privacy and security. The value of privacy, the argument provides, is low, because the information is often not particularly sensitive. The ones with the most to worry about are the ones engaged in illegal conduct, and the value of protecting their privacy is low to nonexistent. On the government interest side of the balance, security has a very high value. Having a computer analyze the phone numbers one dials is not likely to expose deep dark secrets or embarrassing information to the world. The machine will simply move on, oblivious to any patterns that are not deemed suspicious. In other words, if you are not doing anything wrong, you have nothing to hide and nothing to fear.
Ich bezweifle, dass mich dieser Gedankengang beruhigt, wenn ich demnächst auf der Straße von einem NSA-Rechner anzüglich gegrüßt werde.
2010-01-19
Heimliche Leidenschaften
Während Mr. Zuckerberg lediglich den Stand der Dinge beschreibt, gibt der deutlich ältere Eric Schmidt auch Verhaltensempfehlungen:
If you have something that you don't want anyone to know, maybe you shouldn't be doing it in the first place.
Auch nicht, wenn ich es sehr gut verheiml...
[The] reality is that search engines – including Google – do retain this information for some time and it's important, for example, that we are all subject in the United States to the Patriot Act and it is possible that all that information could be made available to the authorities.
Ich verstehe. Nicht, dass mir meine Sammlung von Nuklearwaffen peinlich wäre, aber – ich werde das Thema im Beisein von Google nicht mehr ansprechen.
2010-01-19
Volonté Générale
Es ist schön zu lesen, wie offen und tolerant wir alle geworden sind:
People have really gotten comfortable not only sharing more information and different kinds, but more openly and with more people. That social norm is just something that has evolved over time.
Noch schöner ist natürlich, dass ein Unternehmen wie Facebook diese Entwicklung nicht verschläft, sondern gemäß dem Volonté Générale handelt und alle aus falsch verstandener Nostalgie zugriffsbeschränkten Profile seiner Nutzerinnen für die Allgemeinheit freigibt. Vielen Dank, Mr. Zuckerberg!
2010-01-19
Dateisystemdämmerung
Eine beliebte Klage in der Informationsgesellschaft betrifft die Begrenztheit traditioneller Dateisysteme:
[In] recent decades, technological innovations have created a modern information crisis. This is characterized by an ever-growing abundance of easily accessible information. Additionally, the user is able to create and store continuously increasing amounts of digital data. This data is usually managed on the user's personal computer. Conventional file systems, however, which constitute the most important systems for document management tasks, impose a strict monohierarchy onto the user's document collection. The user is constrained by the file system's inability to represent multiple categorizations of documents without utilizing band-aid solutions such as shortcuts.
Das ist wahr, und ich würde mich auch über ein Dateisystem mit einem Semantic File System Interface freuen, das mit nonhierarchical directory structure and polyhierarchical file categorizations
erlaubt. Andererseits: Wer verwaltet heutzutage seine Daten wirklich vollständig manuell über ein Dateisystem? Durchschnittliche Nutzerinnen haben ein E-Mail-Postfach, einen Facebook-Account und einige Dutzend Office-Dateien, etwas ambitioniertere Nutzerinnen haben zusätzlich ein Blog.
Ich selbst greife auf die meisten Daten über dedizierte Applikationen wie Aperture, iTunes, Mail (mit MailTags) sowie das Adressbuch von Mac OS X zu, die mit Metadaten umgehen können und diese in den Spotlight-Index einspeisen. Texte wandern in der Regel auf meine Website, die seit einiger Zeit ein Tagging-Interface hat. Für alles andere gibt es Yojimbo. Was bleibt für HFS+ und seine Extended Attributes? Installationspakete und einige Dutzend LaTeX-Dateien, die ich zur Not auch mit nichtssagenden Dateinamen in einem einzigen Ordner versammeln könnte, ohne den Überblick zu verlieren.
Vermutlich ist der direkte Umgang mit einem traditionellen Dateisystem in einigen Jahren das, was die Konfiguration eines RAID-Systems heute ist: Ein Job für den Admin.
2010-01-17
Metahysterie
Welche Datei mit welchem Programm geöffnet wird, war bis Mac OS X 10.5 eine relativ unübersichtliche Angelegenheit, weil neben den neueren Uniform Type Identifiers (UTI) auch die Methoden des klassischen Mac OS (type and creator codes) unterstützt wurden. Mit der Veröffentlichung von Snow Leopard hat Apple einen seiner berüchtigten klaren Schnitte gemacht und selbst treueste Anhänger vor den Kopf gestoßen: Künftig entscheidet die Dateinamenerweiterung darüber, welches Programm sich für eine Datei zuständig fühlen darf. Der einzige Weg, den UTI zu umgehen, wirkt trotz der Integration in den Finder wie ein reichlich obskurer Hack: Wählt man über den Get Info-Dialog eine von der UTI-Bindung abweichende Application Binding, wird eine usro-Ressource im Ressource Fork der Datei erzeugt, die den vollständigen Pfad zur gewünschten Applikation enthält.
Das ist natürlich nicht schön. Trotzdem muss ich gestehen, dass ich das Problem nicht nachvollziehen kann. Dank der Änderung muss ich mir keine Gedanken darüber machen, ob diese Bilddatei mit Preview und jene mit Photoshop geöffnet wird, oder ob ein ganz bestimmtes Skript lieber mit XCode als mit BBEdit bearbeitet werden möchte. Wenn ich jemals in die Situation kommen sollte, denselben Dateityp je nach Kontext regelmäßig mit verschiedenen Applikationen öffnen zu müssen, verwende ich einfach die praktische DragThing-Funktion Use hot key to open Finder selection with item
, mit der man bisher das unvorhersagbare Dateiöffnungsverhalten in OS X umgehen konnte.
2010-01-17
Tu Felix Austria, Conserva
Leider hat es die Propaganda des Naziregimes vermocht, selbst etwas völlig Neutrales wie einen Zeitraum zu kontaminieren. Davon abgesehen hält die Ankündigung der Republik Österreich, ein digitales Langzeitarchiv errichten zu wollen, eine schöne Balance zwischen Kühnheit
Ziel ist es, die aktuell anfallenden elektronischen Aktenbestände
für die nächsten 1000 Jahreaufzubewahren.
und Bescheidenheit
Hardware, Software und vor allem die zur Datenspeicherung eingesetzten Dateiformate (derzeit vorwiegend PDF/A) werden mit den Jahren immer wieder aktualisiert werden müssen.
2010-01-17
Die Grenzen der API
Meine erste Tag Cloud konnte ich dank Djangos QuerySet-API mit einer einzigen Zeile (abgesehen von from django.db.models import Count) füllen:
tags = Tag.objects.annotate(num_pages=Count('page')).filter(num_pages__gt=0)
Da die Beziehung zwischen Page und Tag über ein ManyToMany-Feld im Page-Modell definiert ist, führe ich eine umgekehrte M2M-Abfrage durch und verwende die annotate- bzw. count-Funktionen (neu in Django 1.1), um eine Liste derjenigen Tags abzurufen, mit denen mindestens eine Seite verknüpft ist. Wow.
Leider reicht mir das nicht. Seit ich Bruce Tognazzinis Eloge auf den Keyword Manager gelesen habe, will ich auch ein Tagging-System, das hierarchisch übergeordnete Tags automatisch zuweist. Das ist leider nicht mit einer einzigen Zeile zu haben:
# views.py: tags = Tag.objects.all() results = [] for tag in tags: if tag.page_count > 0 and tag.id != 31: results.append(tag) # models.py: def _get_tagged_pages(self): queryset = list(self.page_set.defer('content', 'texcontent').all()) for child_tag in self.child_set.all(): if child_tag.page_set.all(): queryset.extend(child_tag.tagged_pages) return list(set(queryset)) tagged_pages = property(_get_tagged_pages) def _get_page_count(self): page_count = len(self.tagged_pages) return page_count page_count = property(_get_page_count)
Immerhin kann ich das teure Attribut tagged_pages noch an anderer Stelle verwenden.
2010-01-15
Symbiose
Auch eine schöne Verschwörungstheorie: Spricht nicht alles dafür, dass Dr. Guido Westerwelle von Teilen der deutschen Presse co-finanziert wird, nur um ihn genüsslich zitieren zu können?
Ich bin hier nicht als Tourist in kurzen Hosen unterwegs, sondern als deutscher Außenminister. Das, was ich sage, zählt.
Erstaunlich ist allerdings, dass dem Bundesaußenminister seine angebliche naive Eitelkeit und beleidigte Leberwurstigkeit nach so vielen Jahren in der Politik immer noch geglaubt wird.
2010-01-15
Zwiebeltheoretiker
Der gehobene Journalismus hat ein Faible für komplexe Themen, bei denen das eigentliche
Problem grundsätzlich tiefer liegt
. Das gilt für die Weltwirtschaft –
Nichts an dieser Analyse ist falsch, und doch übersieht sie ein tiefer liegendes Problem, das viele Wirtschaftswissenschaftler längst für die eigentliche Ursache der Weltrezession halten. – Die Zeit, Nr. 3 vom 14. Januar 2010
– wie für die deutsche Steuerpolitik.
Offenbar widerstrebt es den geschätzten Schreiberinnen und Schreibern, verschiedene Aspekte eines Themas darzustellen, ohne diese nach ihrer Nähe zum Seinskern des Themas zu ordnen. Vielleicht fürchten sie, ihr mehrseitiges Dossier könnte fahrig und unzusammenhängend wirken, wenn sie nicht vom dünnen Firnis der Oberfläche zielsicher zu den unerforschten Tiefen vorstoßen?
Das tiefer liegende Problem dieser Methode ist aber ihre Nähe zu den gängigen Verschwörungstheorien, die hinter jeder identifizierbaren Gruppe mit einem nachvollziehbarem Motiv eine mysteriöse Gruppe mit einem völlig anderen Motiv vermuten. Immerhin haben sich angeblich leitende Mitarbeiter der DvH-Medien GmbH (Die Zeit) im vergangenen Jahr mit Rupert Murdoch (The Times) zur gemeinsamen Proust-Lektüre getroffen. Zufall?
2010-01-14
Zwangsapp
Das Verhältnis vieler Menschen zum iPhone entwickelt sich langsam von einer harmlosen Form des Fetischismus zu einer bedenklichen Zwangsvorstellung. Das neueste Symptom dieser Obession ist die Behauptung, kein Unternehmen könne ohne eine iPhone-App überleben
Selbst die ehrwürdige Arbeitsgemeinschaft der öffentlich-rechtlichen Rundfunkanstalten der Bundesrepublik Deutschland kann sich dieser vermeintlichen Logik nicht entziehen und plant eine App für die Inhalte der Tagesschau. Das wiederum ruft die private Konkurrenz (Marktverzerrung!
), den Kulturstaatsminister (Marktverzerrung!
) und den Bund der Steuerzahler (Gebührenverschwendung!
) auf den Plan.
Das ganze Geschnatter hat zwar einen wahren Kern – You’ve got to be on the iPhone; same as you’ve got to be on the Web
– aber daraus folgt nicht, dass auch jeder Inhalt über eine eigene App abrufbar sein muss. Eine für Mobile Safari optimierte Site, ein eigener Feed und ein Podcast sind erheblich zeitgemäßer, weil sich die Nutzerinnen eben nicht gemütlich mit einer einzigen digitalen Zeitung in die Bibliothek begeben (In den nächsten zwei Stunden bitte keine Besucher, Heinrich.
) und sie komplett durchlesen.
Was mich zu meiner ersten Erwähnung des Apple Tablets auf dieser Website bringt. Andy Ihnatko geht nämlich davon aus, dass Apple auch nach der feierlichen Tablet-Enthüllung den iTunes Store nicht um Zeitungen, Bücher und Magazine erweitern wird:
Are you an independent publisher? Or maybe even just an author with a collection of short-stories? Great. Hook up with an iPhone developer and hand over a copy of your book in PDF or HTML format. He or she can quickly stick it in an app wrapper and you can release it as an saleable ebook without going through any publishers or distributors. There’s no vetting process; Apple is happy to just take 30 percent of the purchase price.
Quickly
ist eine denkbar euphemistische Umschreibung für more than six months
– wenn eine App etwas taugen soll, kann man sie eben nicht mal rasch runterreißen. Craig Hockenberry fasst das Thema perfekt zusammen:
It's like asking bands to release an app for each album. We need MP3 for words.
2010-01-13
World Climate Geek
Al Gore kümmert sich offenbar selbst um typographische Aspekte seiner Veröffentlichungen. Mit so einer detailverliebten Einstellung wird man natürlich nicht US-Präsident. Oder kann sich jemand vorstellen, dass Ronald Reagan nachts im Bett die optimalen Flugrouten für eine eventuelle militärische Auseinandersetzung mit der Sowjetunion berechnet hat? Sorry, Mr. Gore: Das reicht höchstens für das Weltklima.
2010-01-13
Power Plant
Ich habe noch nie verstanden, warum die Amerikaner Ausdrücke wie Autobahn, Kindergarten, Angst und Waldsterben übernehmen – aber ausgerechnet Kraftwerk nur als Band, nicht als Kompositum goutieren. Wie dem auch sei: Der Katalog ist seit einigen Monaten verfügbar und die Website der Band besteht vollständig aus Flash. Licht und Schatten, würde ich sagen.
2010-01-12
Nicht nur Jesus liebt Dich
Im politischen Leben gibt es offensichtlich eine gewisse Korrelation zwischen eher konservativen politischen Ansichten und einer Neigung zu skandalträchtigem Geschlechtsleben. Dieser Zusammenhang ist humoristisch einigermaßen ausgereizt. Nicht nur Simon & Garfunkel sollten der Gattin des irischen Premierministers deshalb außerordentlich dankbar sein: Wo sonst bekommt man zur politischen Affäre auch gleich noch die passende musikalische Untermalung?
2010-01-11
Rauschen kostet
Die anheimelnde Wirkung des Rauschen in älteren Filmaufnahmen ist nicht vorhersagbar und damit auch nicht besonders effizient zu komprimieren. Mit anderen Worten: Rauschen kostet Speicherplatz.
Zum Vergleich: Rauscharme Filme wie WALL-E passen sogar in mehreren Sprachversionen auf eine einzige Blu Ray Disc, so dass man italienische Textelemente mit einer deutschen Tonspur kombinieren kann. Wenn's denn sein muss.
2010-01-11
Paranoid
Seit kurzem kann ich die ehrliche Sorge um Deutschlands Sicherheit, die Dr. Wolfgang Schäuble von Amts wegen jahrelang tragen musste, aus tiefstem Herzen nachvollziehen. Glücklicherweise war ich nie Bundesinnenminister und kann mich ungehemmt für die absurdesten Katastrophenszenarien wappnen. Da ich außerdem eher den Safety- als den Security-Aspekt von Sicherheit im Blick habe, komme ich beim Ausleben meiner Paranoia sogar ohne Einschränkung der Bürgerrechte aus.
Hintergrund ist ein Eigentumsdelikt nach §244 Absatz 1 Nr. 2, das meine latente Sorge um die Sicherheit meiner Daten in eine akute Furcht vor Datenverlust verwandelt hat. Die hilfreichen Präventionshinweise der Polizei gehen leider mit keinem Wort auf die Absicherung digitaler Daten ein (wobei ich nach Durchsicht der Seiten mit der Anschaffung einbruchshemmender Rollläden der Widerstandsklasse 6 sowie eines formschönen Einmauerschranks liebäugele).
Auch die NSA weigert sich aus unerfindlichen Gründen, mir die genaue Konzeption ihres neuen Data Centers bereitzustellen, und speist mich stattdessen mit einem Whitepaper zum Thema Mac OS X Security Configuration ab. Es könnte sich allerdings um ein sprachliches Problem (Safety vs. Security) handeln, denn die NSA hat bekanntlich gewisse Probleme mit Fremdsprachen.
Jedenfalls muss ich mir wohl oder übel selbst Gedanken über eine sichere Datenhaltung machen. Die bisherige Strategie sah ein tägliches inkrementelles Full Backup an zwei verschiedenen Orten vor, wobei der Primärspeicher sich in der Regel an einem dieser Orte befand. Zusätzlich wurden besonders wichtige Daten (Core Backup) als AES-verschlüsseltes Sparsebundle stündlich auf Amazon S3 (via DropBox) gesichert.
Das war natürlich enorm leichtsinnig, und nur durch viel Glück hat sich ein Datenverlust beim eingangs erwähnten Wohnungseinbruchdiebstahl vermeiden lassen. Die neue Strategie sieht deshalb ein weiteres wöchentliches inkrementelles Full Backup an einem dritten Ort und vier weitere Core Backups vor. Letztere werden mit rsync in Rechenzentren in Köln und Karlsruhe bzw. auf USB-Sticks an wechselnden Orten abgelegt.
Sollte jemand meine digitale Existenz massiv beeinträchtigen wollen, müsste er
- eine AES-256-Verschlüsselung brechen oder
- den gesamten Großraum Köln sowie ein Rechenzentrum in Karlsruhe und die Amazon-Cloud informationstechnisch ausradieren.
Ich hoffe sehr, dass das selbst meinen ärgsten Feinden etwas zu kompliziert ist.
2010-01-02