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Scheckig 2

Ich kann die Usancen des US-amerikanischen Zahlungsverkehrs entspannt aus der Ferne betrachten, aber André Spiegel muss eigene Erfahrungen machen.

Und siehe da: Nicht Nostalgie fesselt US-Amerikanerinnen an Papierschecks, sondern prohibitive Gebühren für Überweisungen (Wire). Zwar verhindert die Verbreitung von Kreditkarten ein völliges Chaos (jedenfalls kurzfristig), trotzdem müssen US-Banken jede Menge unterschriebener Papierfetzen (zusätzlich zum Bargeld) handhaben.

Das erinnert aus betriebswirtschaftlicher Sicht ein wenig an die Grundsatzentscheidung der US-amerikanischen Mobilfunknetzbetreiber, Mobilfunknummern wie ortsgebundene Festnetzanschlüsse zu behandeln und die nach göttlichem Gesetz bestehende Preisdifferenz den Angerufenen in Rechnung zu stellen. Dieses System hat dazu geführt, dass Menschen (vor einigen Jahren) Anrufe nur sehr selektiv entgegennahmen, weil sie nicht wissen konnten, wie teuer das Gespräch für sie werden würde.

Sittengemäß

Vereinbarungen, nach denen man eine umfassende Einsicht in das eigene ökonomische Gebaren im Tausch gegen einen ausgesprochen überschaubaren Nutzen gewährt, müsste man eigentlich als sittenwidrig empfinden, aber Payback leistet seit einigen Jahren erfolgreich Abstumpfungsarbeit.

Ungelöst

Ich würde Speicherplatz sehr gern als gelöstes Problem betrachten, aber 3,4 TB Mediendateien überfordern bezahlbare SSDs und bei einer Bandbreite von 50 Mbit/s sind Cloud-Dienste auch unabhängig von anderen Aspekten keine Lösung. Eine Umsiedlung nach Missouri hätte also schon gewisse Vorteile.

Prokrastination

Seit 2012 bin ich mehrmals wöchentlich in einen Admin-Account gewechselt (su - localadmin), um dort per Shell-Skript (sudo webstack) meinen lokalen Webstack (Apache/nginx/PostgreSQL) anzuwerfen, weil ich zu faul war, drei einfache plist-Dateien für launchctl anzulegen. In diesem speziellen Fall hätte ich vielleicht doch etwas früher automatisieren sollen.

Laissez-faire

Dass der Sprachschützer Andreas Hock neben Soziolekten auch die Formalisierung des Deutschen in seiner Funktion als Amtssprache ablehnt, zugleich aber staatlichen Sprachschutz nach französischem Vorbild (In Frankreich sorgt der Staat für den Schutz der Sprache. Wir überlassen unsere sich selbst.) fordert, zeugt von einem geringen Sprach- und Staatsverständnis.

Wrapper

Jahrelang habe ich mich über Word-Dokumente als Screenshot-Wrapper gewundert, aber der Versand von Bildschirmfotos unter Windows erfordert tatsächlich eine paste-fähige Applikation. Da die meisten Nutzerinnen keinen nativen Mail-Client verwenden, ist Microsoft Word für viele die nächstliegende Option.

Wetterwirtschaft

Vielleicht muss man sich um den ökonomischen Einfluss extremistischer Politsekten doch nicht so viele Sorgen machen:

Maybe we'd be better off thinking about international economics less like Washington's little private laboratory and more like the weather – a massive force we cannot hope to control, even as we debate how to respond to its worst excesses.

Overlord

Nachdem Marco Arment seine neue Podcast-App angekündigt hat, besteht ein Teil meines Feedreaders praktisch nur noch aus Overcast-Links (1, 2, 3, 4, 5, 6). Zwar gibt es keine iPad-Version, und ich habe erst vor wenigen Monaten Instacast durch Pocket Casts ersetzt, aber natürlich habe ich nichts Besseres zu tun, als sofort $4,99 für Zusatzfunktionen auszugeben. Ich tröste mich damit, dass andere Menschen noch viel mehr Zeit mit der Suche nach dem optimalen Podcatcher verbringen.

Fürsorglich

Wenn mein freundlicher Internet-Provider mich für unfähig hält, yum update auszuführen und daher ein Kernel-Update meines virtuellen Servers für mich vornimmt, sollte er auch davon ausgehen, dass ich zu dämlich war, chkconfig --add postfix einzutippen.

Aber vielleicht wollte man auch nur testen, ab wann ich mich über eine leere Inbox wundere. Solche Experimente sind ja sehr in Mode.

Syphilis und Zahnseide

Seit den 1940er Jahren ist der medizinisch-industrielle Komplex deutlich skrupulöser geworden. Ein Beweis für die positiven Effekte von Zahnseide ist deshalb nur schwer zu erbringen:

Direkte Beweise sind immer gut in Medizin und Wissenschaft, findet Oesterreich. Diese seien auch für die Patienten am überzeugendsten. Die Erkenntnisse aus der wissenschaftlichen Literatur müssten aber immer mit den eigenen Erfahrungen und dem individuellen Patientenfall verbunden werden. In diesem Fall sei es auch gar nicht so einfach, die notwendigen Studien durchzuführen. So kann es durchaus ethische Bedenken geben: Schließlich müsste man einer Vergleichsgruppe verbieten, Zahnseide zu benutzen, und würde so deren gesundheitliche Risiken in Kauf nehmen.

Der wilde Westen

Ich muss mir immer wieder in Erinnerung rufen, dass illegale Handlungen der US-Behörden für manche US-Bürgerinnen kein prinzipielles Problem darstellen (Hervorhebung von mir):

What strikes me as the most troubling aspect is that for most of these, there is no real urgency to the intelligence. It’s one thing (in my mind) to aggressively bend, or break, laws if there is an assumed imminent terrorist attack. It’s a completely different thing if it is just routine preventative measures.

So to me, I’m fine with going all wild west if we know something big is about to go down and we are aggressively trying to stop that, but I am not fine with aggressive tactics as a matter of course.

Single Use Browser

Den Batteriefresser Chrome nutze ich für die wenigen Videos, die enorm niedliche Tierbabies zeigen und nur mit Adobe Flash abspielbar sind. Warum ich aber in solchen Situationen statt der LaunchBar-Abfolge Current Tab in Safari → Chrome ein Keyboard Maestro-Skript oder einen Alfred-Workflow einsetzen sollte, erschließt sich wohl nur dem Vertrieb von Stairways Software bzw. Mr. Pepperrell.