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Padawan

Alexander Matzkeit entwickelt ein Sicherheitsbewusstsein, vergisst sein Master-Passwort, bricht anschließend dank eines unzureichend kryptischen password hint (und einer geringen Dosis brute force) in seine 1Password-Datei ein und erreicht in Rekordzeit Level 2 der Backup-Zwanghaftigkeit. Als cheat sheet für Level 3 empfehle ich die Macworld-Anleitung (mit nur einem Offsite-Backup und einem Klon, lachhaft), für Level 4 können wir gern einen Termin vereinbaren.

Cheapskate for iOS

Das Techniktagebuch wird teilweise von sehr kostenbewussten Menschen befüllt, die allerdings sehr originelle Begründungen für ihren Geiz liefern:

Ich will auf den VLC Player zurückgreifen, den ich seit Jahren am Computer verwende, aber alle sinnvoll aussehenden Versionen im App Store sind kostenpflichtig, und für Software, die am Computer kostenlos ist, möchte ich am iPad nichts bezahlen.

Abbau- und Schürfrechte

Humans of New York:

I had thousands of cases, but my biggest accomplishment was one particular case where I actually had the opportunity to help mold the law around a particular subject, but it’s very obscure and uninteresting. What was it? I successfully argued that the rights to geothermal steam belong to the owner of a property’s mineral rights as opposed to the owner of the property itself.

Wenn selbst Juristinnen die Feinheiten ihrer Profession nicht zu schätzen wissen, müssen sie sich über Juristinnenwitze nicht wundern.

Lego Technik

Die Bundesregierung möchte jungen Menschen Informatik schmackhaft machen:

Es gibt viele einfache Beispiele für Programmiersprachen, die wie Lego funktionieren: Ich stecke die Module zusammen, und schon habe ich ein kleines Programm erstellt. Apps werden mit Jugendlichen in Workshops an einem Wochenende entwickelt. Diese tolle Erfahrung sollte man früh machen.

Und natürlich sollten die Jungendlichen auch nicht auf die tolle Erfahrung verzichten müssen, drei Nächte lang nach der Ursache einer unerklärlichen Exception zu suchen, die sich schließlich als fehlerhafte Klammerung in Zeile 1874 einer eingebundenen Library entpuppt.

Digitales Lesen Q1/2015

Vor einigen Monaten war mir nach einer neuen Lesestrategie. Also habe ich meinen (zweitbesten) RSS-Feedreader massiv entschlackt und die nativen Apps von Süddeutscher Zeitung, Die Zeit, The Magazine und The Atlantic auf dem iPad installiert, während in meiner Timeline die Diskussion um das Für und Wider von Redaktionen tobte und Glen Fleishman das Ende von The Magazine ankündigte (was aber nichts heißen muss). Der erste Eindruck: Die deutschen Journalismus-Apps sind weiterhin vor allem lahm. US-amerikanische Apps haben einen kleinen technischen Vorsprung, den sie aber zur Implementierung absurder Einschränkungen nutzen.

Trotzdem fiebere ich dem iPad Mini 3 entgegen, um stundenlang einhändig lesen zu können. Vergeblich. Apple macht das kleine iPad konsequent zum second class citizen (auch im Vergleich zu seinem größeren Verwandten).

Glücklicherweise hat Felix Neumann mich kurz zuvor darauf aufmerksam gemacht, dass der Kobo Aura HD mit aktueller Firmware etwas weniger hermetisch agiert als bisher. Ich müsste also nur von Instapaper auf Pocket umsteigen, um via Feedreader oder Stadtbibliothek meinen Kobo zu befüllen.

Verhindert wird der Umstieg nicht durch meine Loyalität zu Instapaper, sondern durch die Ankündigung des Kindle Voyage. Das Amazon-Produkt verfügt über ein hochauflösendes Carta-Display, die schmerzlich vermissten Drucksensoren mit haptischem Feedback und verbindet sich mit 802.1X-Netzwerken. Außerdem habe ich mich über die unpräzise Touch-Steuerung des Kobo schon länger geärgert. Neben begeisterten und ausgewogenen Reviews des neuen Kindle gibt es harsche Kritik für die wenig gelungene Typographie samt Zwangsblocksatz.

Ich nehme das in Kauf, obwohl sich diese Schwäche auch auf die Instapaper-Integration (per E-Mail-Interface) auswirkt: Seitenränder und Zeilenabstand der über Instapaper gelieferten Artikel sind viel zu knapp, und lassen sich nur durch mühsame Neuformatierung mit Calibre korrigieren. Die einzige gut lesbare Publikation auf dem Kindle bleibt Die Zeit.

Alles auf Anfang. Und vielleicht lasse ich mir die Artikel aus Instapaper in Zukunft einfach auf dem iPhone vorlesen (ab v6.0.1).

Leihweise

Streaming-Angebote werden – außerhalb des deutschen Buchhandels und des kleinen Zirkels potentieller Pono-Käuferinnen – gern als fair und kundenfreundlich beworben. Hinzu kommt, dass Menschen in der größten Volkswirtschaft der Welt offenbar immer widerwilliger Besitzrechte erwerben (vermutlich in Erwartung des Jüngsten Gerichts). Ich halte es eher mit Jason Snell:

I have come to accept that, for a great many people, renting is better than owning. Yet the idea of paying a monthly fee for access to a library of stuff has always made me uncomfortable.

Geschäftsuntüchtig

Felix Schwenzel hadert mit Entertainment-Systemen:

keine ahnung ob das auch ein ansatz für autos ist, aber, auch wenn ich nicht weiter drüber nachgedacht habe, mir kommt es wie eine gar nicht so doofe idee vor, die auto-info- und entertainment-systeme auf ein minimum zu reduzieren und dafür eine (genormte) und mächtige API zu den auto-funktionen anzubieten. in die API kann sich dann ein smartfone oder tablet einklinkten und die funktionen des autos ansteuern. sobald es bessere, leistungsfähigere, benutzerfreundlichere bedienkonzepte gibt die neue hardware oder software benötigen, tauscht man das smartfone oder pad aus. mit anderen worten: statt entertainmentsysteme, eigener steuersoftware und selbst gewurstelten bedienkonzepten, sollten autohersteller solide handy- oder tablet-halterungen in ihren autos anbieten — und eine mächtige, gut, mit standardtechnologie gesicherte API anbieten.

Auf so eine absurde Idee kann auch nur ein Kunde kommen. Oder ein Technologieunternehmen.

Kompromissbereit

Der transatlantische Graben im Bereich Verbraucherschutz und Meinungsfreiheit ist momentan recht breit: US-Medien sind angesichts der Beschränkungen für Google und Blogs ähnlich entgeistert wie europäische Bürgerinnen über den großen Spielraum für US-Unternehmen. Unter diesen Bedingungen ist es erstaunlich, dass die TTIP-Verhandlungen so weit gediehen sind.

Eventuell wirkt ja die gemeinsame Haltung zu Karenzzeiten nach dem Rücktritt von hohen Ämtern als Grundlage eines kompromissfördernden Klassenbewusstseins.

Zumutbar

Ungeachtet der undurchsichtigen Nachfolgepolitik Horst Seehofers ist die CSU im Bereich Mentoring gut aufgestellt. Junge Radikale werden zum Beispiel von ehemaligen Ministerinnen individuell betreut und auf ihre Zumutbarkeit für das Wahlvolk geprüft:

Wir haben uns zusammengesetzt und miteinander nach Positionen gesucht, die man auch anderen zumuten kann.

Grahams Beruhigungsmittel

Tim Urban erläutert in einfachen, verständlichen Schritten die Dimension von Graham's Number und kommt zu dem Schluss:

Writing this post made me much less likely to pick infinity as my answer to this week’s dinner table question. Imagine living a Graham’s number amount of years.8 Even if hypothetically, conditions stayed the same in the universe, in the solar system, and on Earth forever, there is no way the human brain is built to withstand spans of time like that. I’m horrified thinking about it. I think it would be the gravest of grave errors to punch infinity into the calculator—and this is from someone who’s openly terrified of death. Weirdly, thinking about Graham’s number has actually made me feel a little bit calmer about death, because it’s a reminder that I don’t actually want to live forever—I do want to die at some point, because remaining conscious for eternity is even scarier. Yes, death comes way, way too quickly, but the thought I do want to die at some point” is a very novel concept to me and actually makes me more relaxed than usual about our mortality.

Diese Überlegung versöhnt mich auch mit der Gewissheit, dass die Menschheit langfristig dem Untergang geweiht ist. Populäre Fluchtphantasien beziehen sich nicht ohne Grund auf die nähere Zukunft: Some day, there'll be no place left to run to.

Wissensverlust

Alexander Matzkeit erläutert im Techniktagebuch, dass er noch nie mit sed gearbeitet hat:

Mit einigen Suchen/Ersetzen-Durchläufen gelingt es mir, die weitestgehend identischen Zeichenfolgen, aus denen die Zeilen bestehen, zu tilgen, aber da die E-Mails über einen längeren Zeitraum verschickt wurden, bleiben die Zeitstempel bestehen. Ich sitze schließlich vor einer Datei, in der abwechselnd eine der toten Adressen und eine Zeit steht.

Ich google nach einer Möglichkeit, aus einer TXT-Datei jede zweite Zeile zu löschen. Einige Menschen haben kleine Skripte und Programme geschrieben, die genau das machen. Allerdings muss ich, um sie zu nutzen, etwas tun, was ich schon sehr lange nicht mehr getan habe - die Eingabeaufforderung starten. Ich tippe CMD in die Befehlszeile des Windows 7-Menüs und habe plötzlich ein altvertrautes schwarzes Fenster mit einem blinkenden Cursor vor mir, zum ersten Mal seit Jahren.

Kartensicherheit

Frank Lachmann macht sich Sorgen, weil er beim Einkauf seine EC-Karte von einem iPhone scannen lässt und anschließend seine Unterschrift auf demselben iPhone hinterlässt. Wahrscheinlich prüft er auch reguläre Kartenlesegeräte auf Beschädigungen des Gehäuses, Kratzspuren, geschmolzenes Plastik, fehlende Bauteile oder farbliche Abweichungen zwischen Ober- und Unterschale und gleicht die stets mitgeführte Muster der Herstellersicherheitssiegel mit dem am Gerät angebrachten Siegel ab.

Pferde und Faxe

Simon Dudley führt Solow's Paradox auf die Trägheit der Menschen zurück:

With the every-quickening rate of change offered by the Internet, it is sensible to assume that 15 years from now we may see some more profound changes, on the order of those enjoyed across society in past periods of innovation. That is, of course, if we take advantage of the new technological changes available to us. Right now, we are not. People are afraid of rapid change, and when technological change happens faster than the investment cycle for a technology, major problems can happen. People will dig in their heels as a reaction to the newness of innovation. They will stick to old familiar processes, even when the new ones are faster, easier and more efficient. That’s the equivalent of driving a horse-drawn carriage on the freeway.

Das klingt milde optimistisch, denn tatsächlich hat die Zahl der Pferdekutschen in den letzten Jahren spürbar abgenommen. Andererseits betrachtete die Bundesnetzagentur vor wenigen Wochen noch die Bekämpfung von Fax-Spam als pressemitteilungswürdiges Thema.

Verschwenderisch

Weil Apps unter iOS nicht ohne Weiteres kopierbar sind, wird eine gewinnorientierte Software-Entwicklung von vielen Nutzerinnen (cheapskate morons) nicht gern gesehen. Zwei Erklärungen verweisen darauf, dass Apples App Store eine derart kindische Erwartungshaltung provoziert, was ich aber nur für ungeschickt erzogene Jugendliche gelten lasse. Vernünftige Menschen sollten sich an John Moltz orientieren:

New game from Neven Mrgan and Matt Comi. Looks like a lot of fun.

It was released last night so along with the new levels for Monument Valley I spent six dollars on games yesterday. How ever can I afford this lavish lifestyle, you ask? I’m a freelance writer, baby.

Digitaler Journalismus

Der maschinengetriebene Journalismus steht nicht kurz vor dem Durchbruch, sondern wird auch in deutschen Wirtschaftsredaktionen bereits praktiziert:

Wikifolio ist ein Tummelplatz für Menschen, die sich die Aktienanlage zutrauen, aber keine Zeit haben, sich selbst darum zu kümmern. So wie beim Kurznachrichtendienst Twitter vom Wissen anderer Nutzer wollen sie auf den Social-Trading-Plattformen von den Ideen anderer Investoren profitieren. Und Geld verdienen, indem sie das Kauf- und Verkaufsverhalten der erfolgreichsten Investoren nachahmen.

$well_known_reference_platform = random.choice(['Twitter', 'Wikipedia', 'Facebook']) funktioniert halt nicht immer.